Ich kenne Jupp Lipinski schon sehr lange. Mitte der 90er Jahre lernten wir uns über unseren gemeinsamen Freund Helmer Birkenbach am Golfclub Herkenbosch kennen. Ein näherer Kontakt entstand dann ab 2015, als mich Jupp öfter in meinem Proshop besuchte. Er kam wegen Reparaturen und wir machten häufig Smalltalk über Golf.

Eines Tages bemerkte ich, dass ich Jupp länger nicht gesehen hatte, und fragte Dr. Ekkehart Walter, ob er wisse, wo er sei. Die Antwort war: „Auf den Philippinen.“ Ich rief aus: „Ah, der Glückliche! Sicher macht er einen tollen Strandurlaub!“. „Von wegen!“, erwiderte Dr. Walter. „Er hält sich in den Tiefen der Wälder auf.“ Ich hatte immer noch nicht verstanden und sagte: „Ja, zurück zur Natur! Das macht Helmer immer im Himalaja!“. Da klärte mich Dr. Walter darüber auf, dass Jupp sich als Arzt bei den German Doctors engagierte.
Es war wieder eine Weile vergangen. Ich hatte von Jupp erfahren, dass er nach Weihnachten nach Kalkutta fliegen würde. In der Zeit sprach ich Dr. Franz-Josef Hansen, den Internisten, an: „Was macht Jupp eigentlich genau in Indien?“. „Das kannst Du Dir nicht vorstellen“, kam von Franz-Josef. „Was der leistet ist Hardcore. Er geht in die Slums, behandelt Tuberkulosepatienten … Das könnte nicht jeder!“
Ein wahres Wort! Ich finde es ebenfalls absolut beeindruckend, dass Jupp – statt nach einem harten Berufsleben einfach den Ruhestand zu genießen – immer wieder einem inneren Ruf folgt, sich um die Ärmsten der Armen und die Kränksten der Kranken zu kümmern. Und das in aller Bescheidenheit, ohne ein Aufhebens um sein Engagement zu machen.

Inzwischen habe ich mich mehr mit der Organisation der German Doctors beschäftigt, finde sehr gut, dass sie beim nachhaltigen Aufbau von medizinischer Infrastruktur in verschiedenen Ländern des Südens mithilft.
Letztes Jahr habe ich mich vor einem seiner Einsätze in Kalkutta von Jupp verabschiedet und ihm etwas Geld mitgegeben mit der Bitte, es unter den Frauen an seiner Krankenstation zu verteilen. Ich dachte mir aber, dass ich bzw. wir am Schmitzhof viel mehr tun könnten, um unsererseits einen Beitrag zur Hilfe zu leisten.

Deshalb die Idee, das Proshop Turnier 2019 am 7. Juli als Charity Turnier zu Gunsten der German Doctors zu veranstalten.

Aber jetzt möchte ich einmal Jupp Lipinski selbst zu Wort kommen lassen. So bekommt man am ehesten einen Eindruck davon, was die German Doctors leisten:

 

„Nach Beendigung meiner Praxistätigkeit 2013 habe ich mich in nunmehr sechs Einsätzen für die German Doctors aktiviert. Ich war fünf Mal in Kalkutta und einmal auf den Philippinen.

In Kalkutta arbeiten wir mit sechs Ärzten in zwei Teams in den Slums. Dort versorgen wir die Ärmsten der Armen, die keinen Zugang zum Gesundheitssystem haben. Wir haben in den Slums kleine Hütten angemietet und halten dort eine basismedizinische Sprechstunde ab. Jeder Arzt sieht etwa 60 bis 80 Patienten pro Tag, die schon frühmorgens in langen Schlangen auf uns warten. Die Untersuchung und die Medikamente sind für die Patienten kostenlos. Unser größtes Problem in Kalkutta ist die Tuberkulose. Täglich sehen wir neue Patienten, die an dieser schweren Erkrankung leiden. Ich habe dort Krankheitsbilder gesehen, die wir in Europa so nicht zu Gesicht bekommen, z.B. Patienten mit Wirbeltuberkulose, die dadurch querschnittsgelähmt wurden, oder Kinder mit schwerer Lungentuberkulose. Für diese Patienten unterhalten wir in Kalkutta auch zwei Krankenstationen, wo die Patienten intensiv medikamentös behandelt werden. Auch dies alles ist für die Patienten kostenlos und wird aus Spendengeldern finanziert.

Ein weiteres großes Problem ist für uns die schwere Unterernährung der armen Bevölkerung. Wir sehen häufig Frauen im gebärfähigen Alter, die keine 40 kg wiegen und hochgradig blutarm sind. Aus den Spendengeldern erhalten diese Patienten von uns entsprechende Nahrungsmittel und Medikamente.

Im Kontrast hierzu stand mein Einsatz auf den Philippinen. Ich war dort auf der Insel Mindoro und habe dort als Einzelkämpfer die Bevölkerung im schwer zugänglichen Urwald medizinisch versorgt. Das Bergvolk der Mangyans, eine unterdrückte Minderheit, lebt abgeschieden in den Bergen und hat keinerlei Zugang zum staatlichen Gesundheitswesen. Dort bin ich mit einem Fahrer und drei Krankenschwestern in einem Jeep über unzugängliche Bergpfade mühsam in abgelegene Siedlungen gefahren und habe bis zu 100 Patienten am Tag versorgt. Bei diesem Einsatz sah ich vor allen Dingen häufig schwere Hauterkrankungen, wie Krätze oder Pilzerkrankungen. Deshalb lag ein Schwerpunkt dort auch auf der Schulung der Bevölkerung in Hygiene.“

Dr. Franz-Josef Lipinski

Written by harryhamdan