Zum ersten Mal traf ich Tim, 9 Jahre, als er Ende Juni zusammen mit seiner Mutter und seinem kleinen Bruder Ben in meinen Laden kam. Seine ruhige Art fiel mir auf und wie er alles, was um ihn herum passierte, genau beobachtete. Er erinnerte mich an meinen eigenen kleinen Bruder, der in demselben Alter war, als ich vor 32 Jahren meine Heimat verließ.

Im August traf ich Tim wieder. Wir verabredeten uns zusammen mit seinem älteren Bruder Lukas, 15, für eine Runde auf dem Kurzplatz. Dem Gewinner stellte ich als Prämie eine Cola in Aussicht. Beide Jungs spielen schon ganz ordentlich Golf. Als Tim meinen alten Hickoryschaft bemerkte, meinte er, dass ich den wohl eher als Brennholz denn zum Golfen verwenden sollte. Schlagfertig ist er also auch!

Tim folgte mir nach dem Spiel zurück in den Laden. Er sagte nichts, blieb aber die ganze Zeit in der Nähe der Tür stehen. Erst nach einer ganzen Weile fiel mir ein: Ich hatte die Cola vergessen! Natürlich holte ich die Einladung nun nach. So begann meine Freundschaft zu Tim …

Er besuchte mich von da an häufiger im ProShop. Ohne viele Worte stand er da und begleitete mich für ein Weilchen bei der Arbeit.

Tim11

Dann kamen die Clubmeisterschaften. Als am Sonntag die Spieler draußen unterwegs waren und es ruhig in meinem Geschäft blieb, fragte ich Tim, ob er Lust hätte, mit mir im Buggy über den Platz zu fahren. Ich hatte ja wie immer den Auftrag Fotos vom Turnier zu schießen. Tim war begeistert und wir machten uns auf den Weg.

An dem Tag herrschte eine Bullenhitze. Wir trafen unterwegs Hermann und Klaus, die ganz ermattet wirkten. Ob wir etwas eisgekühltes Wasser für sie organisieren könnten, wollten die beiden wissen. Willi Wolters drehte bereits seine Runden als Getränkemann.

Für Tim stand ganz schnell fest: „Wir können ja ein Geschäft machen.“ Er ahnte wohl, dass Getränke an dem Tag gut gehen würden. Ich wollte mich in sein Business nicht einmischen und verwies ihn an Bärbel in der Gastronomie. Ohne jede Scheu fragte er sie, ob er auf dem Platz für sie Wasser verkaufen dürfe. Schmunzelnd klärte ihn Bärbel darüber auf, dass das nur ginge, wenn ein Erwachsener dabei sei. Für Tim war natürlich klar: „Ich fahre mit Harry.“

So packten wir die Kühlbox vorne in unseren Buggy und Tim stellte sich hinten auf das Fahrzeug, wo wir ihn mit dem Gurt, der normalerweise zur Befestigung der Bags dient, anschnallten.

Als wir gemeinsam im Schatten an Loch 12 saßen, die Spieler beobachteten, fotografierten und mit Getränken versorgten – das war richtig cool. Vielleicht kamen mir deshalb Tims Namensvetter mit dem Nachnamen McGraw und sein Song „Indian Outlaw“ in den Sinn…

Tim wickelte seine Geschäfte hochprofessionell ab. Er warb aktiv Kunden an und präsentierte freundlich seine Ware, kaltes Wasser und Apfelschorle. Mich erinnerte er mehrfach in mahnendem Ton: „Du darfst nicht vergessen, die Kundennummer aufzuschreiben!“

Nach einem schönen Sommernachmittag nahm uns später Tims Mutter am Clubhaus in Empfang, die ihren Jungen schon vermisst hatte. Bärbel war begeistert von dem guten Umsatz und ich bin mir ganz sicher: Um die Zukunft von meinem Freund Tim mit seinem Geschäftsinstinkt und seiner Klugheit brauche ich mir keine Sorgen zu machen!“

Written by harryhamdan